Die Inflation scheint durch die Hintertür in den Euroraum Einzug zu halten: Fast alle produzierten Güter werden, wie es seit ewigen Zeiten üblich ist, in der Weltwährung Dollar kalkuliert. 8 Jahre nach der Einführung des Euro ist dieser noch weit entfernt von der Tatsache, dass er als kalkulatorische Grundlage in der Produktion genutzt wird. Der aktuelle Wechselkurs ist zwar noch nicht zum heulen, aber leider sind derzeit alle Richtungen offen – mit deutlicher Tendenz nach unten und zum ersten mal seit seiner Einführung könnte der schwache Kurs zu einem deutlich merkbaren Preisanstieg führen.
In den letzten Jahren hat der recht stabile Kurs dazu geführt – um in meinem Wirtschaftbereich zu bleiben – dass Werkzeugmaschinen und Werkzeuge im Preis sehr stabil geblieben sind und teilweise auch etwas günstiger wurden. Diese Entwicklung wird nach den derzeitigen Anzeichen ein abruptes Ende finden.
In den letzten 6 Monaten hat der Euro ca. 15% an Wert verloren (Zum Höchststand aller Zeiten sogar 22%) den die Hersteller durch größere Bestellmengen und geringere Rendite jedoch weder an den Handel, noch an die Verbraucher weitergereicht haben. Die Zeichen deuten jedoch darauf hin, dass fast alle Hersteller in den kommenden Wochen planen die Preise an die reale Beschaffungssituation anzupassen.
Fakt 1 : Die Nachfrage an Gütern übersteigt derzeit die produzierbare Menge. Am Beispiel einer der am meist verkauften Fräsmaschinen kann dieses durch zahlen unterfüttert werden : Nachfragemenge in Europa jeden Monat : ca. 400 Stück. Derzeitige produzierbare Menge : ca. 85 Stück. Jeder Hersteller würde eigentlich unlogisch (unwirtschaftlich) handeln, wenn er den Preis nicht künstlich erhöhen würde um Angebot und Nachfrage zu harmonisieren und die bestmögliche Rendite zu erwirtschaften.
Fakt 2 : Der Wertverlust des Euro im Einkauf drückt seit Monaten die Rendite um ca. 15%. Langfristig muss auch hier eine Gegenbewegung erfolgen, da die Gewinnmargen nicht unendlich sind. Bisher haben die Konsumenten von Wettbewerb profitiert, denn erst wenn bei allen Anbietern die Lager leer sind und die Neubeschaffung kaum Gewinn auf dem aktuellen Preisniveau verspricht wird der Druck zum handeln groß und die Angst Marktanteile an den Wettbewerb zu verlieren tritt in den Hintergrund.
Somit wird im Maschinenbereich in den kommenden Wochen wohl ein Preisanstieg (höchstwahrscheinlich Teuerungszuschlag genannt) von bis zu 25% zu erwarten sein. Gerade in dieser Woche deuteten einige Telefonate auf eine Reaktion schon in wenigen Wochen hin. In welcher Höhe die Preise steigen ist jedoch noch unbekannt. Theoretisch sind 2 Wege möglich : Einerseits eine moderate Erhöhung in der Hoffnung, dass sich die Wechselkurse stabilisieren und somit in dem kommenden Monaten keine weiteren Eingriffe notwendig sein werden, oder andererseits eine Preiserhöhung über dem bisherigen Wechselkursverlust, wenn davon ausgegangen wird, dass die Turbulenzen den Euro auch weiterhin in den Abwärtsstrudel treiben.
Die Preiserhöhungen werden jedoch nicht nur den Maschinenmarkt und Werkzeugmarkt betreffen, sondern auch alle anderen Wirtschaftszweige. Der Maschinenmarkt ist lediglich der erste Vorbote, da hier teilweise nur kalkulatorische Spannen von 13-16 % zur Verfügung stehen und somit eine sehr hohe Anfälligkeit oder Abhängigkeit von Schwankungen der Wechselkurse vorherrschen.
Die nächsten Monate werden spannend – auch wenn es wohl keinen Grund zur Freude oder Hoffnung gibt.
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